Q1 ist Bankenzeit
- Martin Keitel
- 24. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Januar ist der Monat, in dem viele Unternehmen wieder in den „Normalbetrieb“ zurückkehren. Für Banken beginnt in dieser Phase jedoch etwas anderes: die Wirtschaftsprüfungs-Saison.
Warum ist das relevant?
Die Bilanzlogik einer Bank unterscheidet sich fundamental von der eines produzierenden Unternehmens. Kredite sind für die Bank kein „Produkt“, sondern ein Bilanzposten: Forderungen auf der Aktivseite. Damit diese Forderungen werthaltig bleiben, muss die Bank für die Risiken regulatorisch Eigenkapital vorhalten (Tier 1 Capital). Sobald Kreditengagements ausfallen, wird es schnell teuer – nicht nur wegen Wertberichtigungen, sondern auch, weil eine kosten- und ressourcenintensive regulatorische Kette ausgelöst wird.
Kurz: Kredite müssen funktionieren – vom Signing bis zum Laufzeitende.Und genau deshalb schauen Wirtschaftsprüfer im Jahresabschlussprozess sehr genau auf Qualität und Dokumentation der Kreditportfolios. Je größer ein Engagement, desto mehr Aufmerksamkeit.
Was heißt das praktisch für Unternehmen?
Nach Abschluss einer Finanzierung kann man sehr schnell sehr gute Punkte machen – nicht durch bessere operative Performance, sondern durch Dokumentationskomfort.
Sofern das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr entspricht, brauchen Banken für ihre Prüfung typischerweise schon im Februar/März belastbare Informationen zu den Kreditengagements. Viele Unternehmen haben ihren Jahresabschluss zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht fertig – in Österreich wird der Jahresabschluss bei den meisten Unternehmen erst nach neun Monaten veröffentlicht, in Deutschland häufig erst nach zwölf Monaten. Das erzeugt eine Lücke: Bank braucht Fakten im Q1. Unternehmen liefert Zahlen im Q3/Q4.
Was tun?
Ich empfehle, gemeinsam mit der Bank ein Reporting-Package light zu definieren, das früh im Jahr verfügbar ist – ohne Anspruch auf Testat, aber mit Substanz:
Saldenübersicht / Management Summary aus den Bewegungskonten
kurze Kommentierung zu wesentlichen Positionen und Trends
konservativer Forecast für die nächsten Monate
Wichtig ist dabei weniger die perfekte Darstellung, sondern die Logik:Der Forecast sollte so gebaut sein, dass spätere Saldenlisten (z. B. Ende Februar) eher besser aussehen als die Prognose. Das macht es der Bank leicht, Entscheidungen des Vorjahres gegenüber Prüfern sauber zu erklären.
Worum es hier wirklich geht
Nicht um Testate, Haftungsfragen oder Formalismus, sondern um eine vitale Arbeitsbeziehung im gemeinsamen Interesse: Die Bank bekommt Sicherheit und Nachvollziehbarkeit – und das Unternehmen verbessert seine Position spürbar, genau in dem Moment, in dem Banken intern am sensibelsten sind. Q1 ist der beste Zeitpunkt im Jahr, um Vertrauen bei seinen Banken zu gewinnen.
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