Eigenmittel, Eigenkapital und Cash
- Martin Keitel
- 5. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Im Finanzierungsalltag wird „Eigenkapital“ oft automatisch mit „Cash“ gleichgesetzt. Doch dieser Gedanke greift zu kurz. Cash ist das knappste Gut überhaupt – und gerade deshalb sollte man Eigenmittel im Finanzierungsmix breiter und strategischer denken.
Cash als knappstes Gut
Cash bestimmt, wie viele Projekte oder Transaktionen überhaupt umgesetzt werden können und wie flexibel ein Unternehmen bei künftigen Entscheidungen bleibt. Wer Cash ohne Not in eine Kapitalstruktur bindet, mindert seine eigene Schlagkraft. Die Frage sollte deshalb nie lauten: Wie viel Cash können wir einbringen? – sondern: Wie können wir die notwendige Eigenkapitalkomponente darstellen, ohne wertvolles Cash unnötig zu blockieren?
Alternativen zum „harten“ Cash-Einsatz
Eine smarte Kapitalstruktur nutzt statt echtem Cash auch andere Instrumente:
Garantien oder Letters of Credit als Ersatz für Teile der Eigenmittel.
Escrow-Konten mit verzinster Anlage und klarer Abbaulogik entlang des aushaftenden Debt-Niveaus. So bleibt Cash nicht passiv gebunden, sondern arbeitet.
Rückführungsrechte in den Kreditverträgen, die sicherstellen, dass eingebrachte Mittel bei Zielerreichung oder Covenant-Verbesserung wieder an die Gesellschafter zurückgeführt werden können.
Klare Kennzahlen als Leitplanken
Besonders wirkungsvoll ist es, Eigenmitteleinsätze an objektive Multiples zu koppeln – wie z. B. Net Debt / EBITDA. So wird sichergestellt, dass der Einsatz nicht „verpufft“, sondern im Verhältnis zur Entschuldung oder zur operativen Entwicklung des Unternehmens steht. Für die Fremdkapitalgeber entsteht Transparenz über die Risikoposition, während das Eigenkapital geschützt bleibt.
Verborgene Reserven als Sicherheit
Jeder weiß außerdem, dass es sinnvoll ist, mindestens eine Reserve in der Hinterhand zu haben – nicht um sie zu verschweigen, sondern um im Bedarfsfall zusätzliche Flexibilität zu schaffen. Ein Beispiel sind Forderungen gegenüber dem Finanzamt aus Vorsteuer- oder Körperschaftsteuerguthaben. Sie stehen zwar in der Bilanz, werden aber selten aktiv in die Finanzierungsstruktur einbezogen. In Sondersituationen können solche Positionen aber als Sicherheiten für kurzfristige Bridge Loans dienen und damit wertvolle Handlungsfähigkeit eröffnen.
Fazit
Equity ist eben nicht gleich Cash. Wer Eigenmittel nur als Scheckbuch versteht, vergibt hierbei wichtige Chancen. Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die Sicherheit für Fremdkapitalgeber und zugleich Flexibilität für das Unternehmen gewährleisten. Genau hier beginnt meinem Verständnis nach die strategische Rolle jedes CFO.
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